Donnerstag, 25. Februar 2021
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Wenn sich plötzlich alles dreht

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Ein leichter Schwindel ist schnell mit schwachem Kreislauf, Unterzuckerung oder auch Flüssigkeitsmangel abgetan. Dabei kann er ganz unterschiedliche und vor allem ernstzunehmende Erkrankungen zur Ursache haben. Viele davon sind zu behandeln.

Die einen haben das Gefühl Karussell zu fahren, anderen schwankt der Boden unter den Füßen, wieder andere verspüren Benommenheit, Unwohl-sein bis hin zu Erbrechen. „Schwindel gehört zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Patienten zum Arzt gehen“, sagt HNO-Ärztin Dr. Silja Strauß. Seit mehr als einem Jahr leitet sie die Tagesklinik Schwindel an der Asklepios Klinik St. Georg. Jeweils zehn Patientinnen und Patienten werden dort fünf Tage am Stück teilstationär und interdisziplinär behandeln. „Manche unserer Patienten sagen bereits nach den fünf Tagen, dass sich ihre Lebensqualität um 50 Prozent verbessert hat.“ Bis dahin haben einige allerdings einen langen Leidensweg hinter sich. Denn das diffuse Gefühl im Kopf oder auch ganzen Körper kann nicht nur auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen, es führt bei vielen auch zur sozialen Isolation oder Ausgrenzung. Denn wer sich auf den eigenen zwei Beinen nicht mehr sicher fühlt, meidet die Öffentlichkeit. Und wer orientierungslos über den Bürgersteig taumelt, wird schnell als betrunken oder wirr abgetan.

Schwindel in all seinen Ausprägungen ist nur das Symptom, die Ursachen dafür können vielfältig sein. Oftmals liegt er in der Schädigung des Innenohrs begründet, aber auch neurologische, muskuloskelettale können ebenso wie internistische Krankheiten wie Diabetes mellitus, und Herzkreislauf-Erkrankungen zu Schwindelattacken führen. Häufig sind auch funktionale Störungen wie Stress ursächlich. Diese können eigenständig die Ursache des Schwindels sein. Oft aber entstehen diese auch in Kombination mit anderen organischen Schwindelerkrankung. Daher setzt die Schindeltagesklinik auf eine multimodale Behandlung durch Physiotherapeuten, Psychologen und Ärzte. Konkret bedeutet das: Unter physiotherapeutischer Anleitung lernen die Patienten, die Funktionen des Gleichgewichts zu verbessern, Psychologen helfen unter anderem dabei, Strategien zu entwickeln, die Gedanken bei einer Attacke zu defokussieren, Mediziner erklären und behandeln die Ursachen. Nicht zuletzt ist der Austausch mit anderen Patienten ein wichtiger Bestandteil.

Allerdings ist die Therapie mit Ende der fünf Tage in der Regel nicht zu Ende. „Alle Patienten müssen das körperliche Training zu Hause fortführen und manchen Patienten raten wir zusätzlich zu einer Folgebehandlung oder einer weiterführenden Psychotherapie“, sagt Dr. Strauß. Auf jeden Fall aber müsse jeder einzelne die Therapie eigenständig jeden Tag fortführen. „Dann ist bei vielen eine komplette Heilung möglich.“ Die Erfolge bei den bereits mehr als 400 behandelten Schwindelpatienten machen ihr Mut. Denn lange wurde Schwindel bagatellisiert. „Wenn sich unsere Patienten als fröhliche, optimistische Menschen von uns verabschieden, ist das eine tolle Bestätigung unserer Arbeit.“

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